Die Trends der CES 2010: Usable or not?

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Nutzenforscher Tim Bosenick blickt nach Las Vegas: Die Trends der CES 2010:  Schöne neue Technikwelt

Die größte Unterhaltungselektronikmesse CES in Las Vegas hat ihre Pforten vor einigen Tagen wieder geschlossen. 140.000 Besucher bestaunten die Technik-Innovationen der 2.500 Austeller an den Ständen. Im Las Vegas Convention Center waren viele Trends zu sehen, die zumindest nach dem Willen der Hersteller schon bald zum Alltag gehören. Bücher sollen am besten nur noch mit einem der schicken, neuen, biegsamen  E-Reader gelesen werden, Computer nun auch per Touchscreen bedient werden und 3D-Fernseher für ein völlig neues Heimkinogefühl sorgen. Die Consumer Electronics Show in Las Vegas zeigt die schillernde, begeisternde Technikwelt. Doch bei all den Innovationen, immer neuen technischen Geräten und ihren Funktionen vernachlässigen viele Hersteller die Benutzerfreundlichkeit. Für den Kunden kann der Frust zu Hause dann groß werden, denn auf dem Wohnzimmertisch herrscht Chaos: Welche Fernbedienung ist welchem Gerät zugeordnet? Muss ich bei Inbetriebnahme meines neuen DVD-Rekorders eine Software installieren? Erfordert mein neuer Fernseher mit DVBT-Empfänger eine Online-Registrierung? Vor dem heimischen Fortschritt steht oft die Quälerei – die manch einen Kunden ratlos und ärgerlich zurück lässt. Die Trends der CES zeigen, welche Usability-Herausforderungen auf uns zukommen.

Die Consumer Electronics Industrie behauptet, man achte schon sehr auf Benutzerfreundlichkeit. Aber das sind oft immer noch nur Lippenbekenntnisse. Die Realität sieht anders aus, das belegen unsere Untersuchungen. Es gibt zu wenige Firmen, bei denen Benutzerfreundlichkeit wirklich Vorrang hat, wenn neue Geräte entwickelt werden – bei denen wirklich der Benutzer im Mittelpunkt gestellt wird. Das technisch Machbare steht nach wie vor zu sehr im Vordergrund – gerade bei deutschen Herstellern. Schon komplexe Inbetriebnahmen wirken sich negativ auf die Benutzerfreundlichkeit (Usability) aus und können, aufgrund mangelnden Absatzes, Umsatzeinbußen bei den Herstellern verursachen. Denn die Inbetriebnahme ist der erste Kontakt, den ein Kunde mit einem Produkt hat – und dieser bestimmt die weitere Kundenbeziehung und Einstellung zur Marke.

Die Industrie sollte auf diesem Gebiet noch einiges lernen: Der schwerste Fehler ist, Geräte mit Knöpfen und Tasten zu überfrachten. Die wichtigsten Funktionen müssen leicht steuerbar sein, am besten mit einem Fingerdruck. Alles andere gehört in untergeordnete Bedienungsmenüs. Deshalb kann der Trend zum Touch, wie zum Beispiel bei den Tablet-PCs, prinzipiell richtig sein. Wenn es gut gemacht ist, reduziert Touch die Komplexität eines Geräts deutlich. Im Idealfall läuft die Steuerung sogar intuitiv. Und der Nutzer braucht nicht erst ein Handbuch zu wälzen.

Weiterhin werden immer mehr Funktionen in den neuen Geräten untergebracht: In Fernsehgeräten zum Beispiel ist der Receiver bereits integriert, der Nutzer soll mit dem Gerät sogar im Internet surfen und einige der neuesten 3D-Fernseher können mit Hilfe starker Prozessoren sogar normale DVD-Filme in ein 3D-Erlebnis umwandeln. Die Frage ist nur: Können die Endverbraucher die wahr gewordenen Visionen der Entwickler auch bedienen? Usability bedeutet Bedienfreundlichkeit – und trägt inzwischen maßgeblich zum Erfolg von Produkten bei.

Die Digitalisierung macht Multimediageräte immer noch vielseitiger, aber das überfordert auch viele Nutzer. Das zeigen unsere Tests eindeutig. Zu viele Hersteller quälen die Verbraucher mit unausgereiften Produkten. Und viel mehr Produkte, als man denkt, werden wegen schlechter Bedienbarkeit zum Misserfolg.

Drei Trends der CES 2010

3D

Nachdem die Preise für Flachbildfernseher stark gefallen sind, besitzen viele ihr eigenes, Heimkino. LCD oder Plasma-Bildschirme liefern jetzt schon dank HD gestochen scharfe Bilder. Die HD-Technologie wurde als Meilenstein angepriesen, ähnlich dem Wechsel von Schwarz-Weiß- auf Farbfernsehen. Der Nutzer hat zwar eine deutliche Verbesserung der Bildqualität wahrgenommen, das Fernseherlebnis hat sich aber nicht grundsätzlich verändert. Das könnte mit der 3D-Technologie anders werden – nicht mehr zweidimensional, sondern dreidimensional – das ist ein neues Erlebnis, welches echten Mehrwert gegenüber herkömmlichem Fernsehen bietet.  Das sich die Technologie bei den Nutzern höchster Beliebtheit erfreut, lässt sich an den Zuschauerzahlen der Kinos bei jüngsten 3D-Filmen wie James Camerons Avatar ablesen. 3D haucht dem Kino gerade neues Leben ein. Auch im Heimkino-Bereich könnte 3D für ein neues Nutzenerlebnis sorgen und echten Mehrwert bieten.

Tablet-PC

Die neuen Tablet-PCs wurden auf der CES gespannt erwartet. Die Geräte wurden mit vielen neuen Funktionen ausgestattet, besonders interessant ist die Touch-Tauglichkeit, die dank Windows 7 gewährleistet wird. Der Vorteil von Tablet-PCs liegt in ihrer Handhabung, die der Papierform ähnelt. So können Notizen handgeschrieben oder Bilder skizziert und anschließend digital archiviert werden. Ein Tablet-PC kann also ohne Maus und Tastatur bedient werden, also auch ohne Vorkenntnisse, was die Bedienung intuitiver macht. Ein Beispiel: Alle erstellten Dokumente sind immer verfügbar und gleichzeitig durchsuchbar ohne den Aufwand einer physischen Archivierung von Dokumenten. Besonders für Künstler und Designer kann die Nutzung von Tablet-PCs vorteilhaft sein, da die Eingabe per Stift genauer ist und mehr Möglichkeiten im Vergleich zur Maus bietet. Doch beim Schreiben mit dem Stift ist die Eingabegeschwindigkeit geringer als mit der Tastatur.

E-Reader

Die zwei Marktführer Amazons Kindle und Sonys eReader haben mächtig Konkurrenz bekommen. Eine Vielzahl neuer E-Reader drängt auf den Markt. Die neuen Geräte sind schlanker und eleganter, noch besser in der Darstellung von Text. Der E-Reader von “Skiff” ist sogar biegsam. Auch hier geht der Trend zu immer mehr Funktionen – einige E-Reader haben nun auch Kalenderfunktionen oder können Musik abspielen. Viele Leser werden E-Reader als weniger solide als ein normales Buch empfinden. Bei einem Buch kann man sicher sein, dass ein Tintentropfen in 20 Jahren noch am gleichen Fleck steht, beim E-book sind die Informationen flüchtig. Deswegen werden einige immer gedruckte Bücher bevorzugen. Anders ist das allerdings bei Informationen, die ohnehin ständig aktualisiert werden – deswegen bieten E-Reader hohe Chancen für Zeitungen, Magazine und Nachschlagewerke. Die neuen Displays sind deutlich besser als die herkömmlichen. Vor allem verwenden die Anbieter meist eine sehr gut lesbare Schrift. Hinzu kommt, dass die Schriftgröße einfach einzustellen ist – das kann man bei einem normalen Buch natürlich nicht.

Was meint ihr? Techniktrends hin oder her – was nützt moderner “Technikkram” wenn es nicht an den Nutzerbedürfnissen ausgerichtet ist? Richten sich Hersteller Eurer Meinung nach schon an den wahren Nutzer-Anforderungen aus? Oder steht der Hype um modern und neu zu sehr im Vordergrund?

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