Moderner Zehnkampf – oder: über die Gemeinsamkeiten von SEO, SEM, Web Analytics und Usability

In einer E-Commerce-Company tummeln sich unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Skills und Aufgaben. So sollte ein jedes Online-Unternehmen mit Suchmaschinenoptimierern (SEO), Suchmaschinen-Marketeren (SEM) mit Web Analysten und mit Usability-Experten ausgestattet sein. Ich frage mich seit längerer Zeit ob es hier wirklich eine so starke Trennung der Aufgaben und Bereiche gibt, wie man es hier und da immer mal wieder beobachten kann: ob SEO, SEM, Web Analytics und Usability komplett unabhängig voneinander sind? Wie unterschiedlich sind die einzelnen “Disziplinen” wirklich? Sind sie das überhaupt? Ist es nicht vielmehr so das Parallelen zwischen den Disziplinen bestehen? Schau’ mer mal…

Sprechende URLs – für Google gut auffindbar und einfacheres Reporting

Eine der ersten Gemeinsamkeiten von SEO, SEM und Web Analyse ist die Tatsache dass sprechende URLs von hoher Bedeutung sind. Für einen Web Analysten ist es von großer Bedeutung dass die Reports lesbar sind, auch für Leute welchen die Reports zugeliefert werden. Nicht lesbare URLs führen dazu dass die Implementierung eines Web Analyse Tools komplizierter ist und die Auswertung dadurch erschwert wird. Nicht anders verhält es sich mit den sprechenden URLs für den SEO’ler oder SEM’ler. Besteht die URL der Landing Page aus einem Parameter-Wirrwarr, so ist es schwerer die URL zu einem bestimmten Keyword zu platzieren oder für Relevanz in den Suchergebnisslisten zu sorgen. Auch aus Usability-Sicht gilt: URL’s sind auch hier wichtig. Ihr habt bestimmt schonmal versucht eine URL mit 20 Parametern an einen Freund weiterzuleiten, um dann festzustellen dass ein Parameter zuviel dran war und deswegen ein Fehler beim Aufruf der URL erzeugt wird…

Dennoch gibt es noch etliche Shoplösungen, die nicht über sprechende URLs out-of-the-box verfügen, was m.E. heutzutage ein Muss ist. Zu diesem Punkt fällt mir immer wieder der Spruch meines Weggefährten, des Buchautors und dem Geschäftsführer Timo Aden ein: “Eine für SEO optimierte Seite ist ebenso ein Paradies für einen Web Analysten.”

Die Usability der Landingpage als Ranking-Kriterium

Eine schlechte Usability der Landing Page hat ebenso Einfluss auf das Ranking der Seite. Wie oft stößt man auf Landing Pages auf welchen die eingegebenen Suchbegriffe nicht wiederholt werden? Oder wie oft ist es schon passiert, dass man das gesuchte Produkt XY aus einer Vielzahl von anderen nicht-relevanten Produkten auf der Landingpage heraussuchen muss, stattdessen aber mit Werbeaktionen überhäuft wird? Oder dass einfach sooo viele anderen irrelevanten Informationen auf der Landingpage enthalten waren?

Was ich damit ausdrücken möchte: wer seine Landingpages auf gute Bedienbarkeit hin optimiert, der hat auch gute Chancen bei Google besser gerankt zu werden. Durch unterschiedliche Möglichkeiten (z.B. CTR auf der Suchergebnisseite oder die Zeit bis der User von einer Landingpage zurück zur Suchergebnisseite kommt) gibt es Möglichkeiten die Relevanz der Seite zu ermitteln. Punktet eine Seite durch gute Usability und einen leichten Einstieg in den Kaufprozess (Nutzer wird auf Basis seines Keywords abgeholt und der Weg in den Kaufprozess ist clean & smooth), so ist das aus SEO & SEM-Sicht ebenso positiv zu vermerken.

Faktor Mensch: analysiere und optimiere

Nicht zu vernachlässigen ist natürlich der Faktor Mensch. Ein Web Analyst hat die Aufgabe unabhängig von der eigentlichen Rolle im Unternehmen Auffälligkeiten im bestehenden Datenmaterial zu untersuchen und geeignete Lösungsstrategien zur Optimierung der Seite vorzuschlagen. Ähnlich verhält es sich auch für den SEO’ler und SEM’ler. Nachdem bestimmte Optimierungstätigkeiten durchgeführt wurden (z.B. Verbesserung bestimmter Onpage-Faktoren oder Optimierung der Kampagne), muss es unmittelbar an die Erfolgskontrolle gehen. Denn nur so ist gewährleistet dass der getätigte Schritt auch zum gewünschten Ergebnis führt – alles andere ist ein Blindflug ohne Ziel.

Mario Fischer, mein ehemaliger Professor für E-Commerce, predigt zu diesem Faktor auch immer berechtigterweise dass Unternehmen den Personen hinter den Tätigkeiten auch immer Handlungsspielraum lassen müssen um bestimmte Dinge zu probieren und daraus zu lernen. Nur so lerne man aus Erfolg und Misserfolg. Recht hat er. Hierbei ist es zudem immens wichtig, dass die handelnden Personen über ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten besitzen, um Leuten die nicht so tief in der Materie stecke das Thema zu erklären und um sie zu begeistern den Erfolg herbeizuführen – egal ob SEM, SEO, Web Analyse oder Usability.

Versetz Dich in den Nutzer: relevante Keywords finden oder verstehe was der Nutzer möchte

SEO, SEM und Usability haben eine weitere Gemeinsamkeit: es ist zwingend notwendig dass der User beleuchtet, seine Besuchsintention erkannt und dass auf Basis dessen die Website-Gestaltung individuell angepasst wird. Diese klassischen Aufgaben der Nutzerforschung (Usability) bedeuten, dass analysiert werden muss wie Nutzer auf bestimmte Websiteelemente reagieren, welche Interaktionselemente wie gestaltet werden müssen oder welche Anforderungen generell an die Webseite bestehen. Nutzerorientierung für den SEO’ler und SEM’ler bedeutet wiederum dass man sich genau im Klaren darüber sein muss mit welchen Keywords ein Nutzer nach einem bestimmten Produkt oder einer Produktgruppe sucht. Nur so ist gewährleistet, dass die Optimierung auch Traffic auf die Webseiten spült.

Was macht die Konkurrenz: den Mitbewerber immer im Blick

In der Nutzerforschung ist es so, dass eine Analyse des Wettbewerbs von hoher Relevanz ist. Im heutigen Zeitalter, wo Händler mehr und mehr die gleichen Produkte zum gleichen Preis verkaufen, ist eines der Abgrenzungsmerkmale der Erlebnisfaktor. Schafft es ein Online-Händler durch ein herausragendes Nutzungserlebnis sich vom Mitbewerber abzusetzen, so dankt dies der Nutzer oft damit dass er wieder und wieder zum Kauf kommt.

Ähnlich verhält es sich hier im Bereich SEO & SEM: verpasst man es, dass der Mitbewerber auf einmal bei den “eigenen” Keywords besser rankt, so wird es schwer hier wieder nachzulegen und den Traffic zurück zur eigenen Webseite zu holen. Hierzu sind eine Vielzahl an Tools am Markt erhältlich, welche eine genaue Keyword-Analyse und das Monitoruing des Marktes ermöglichen (z.B. von Searchmetrics oder Sistrix)

Fazit – E-Commerce ist moderner Zehnkampf

Meines Erachtens liegen alle Disziplinen näher beieinander als so manch einer denkt. Optimiert man an Stellschraube A etwas, so hat dies meist auch Auswirkungen auf Stellschraube B. Die Skills und Fähigkeiten in den Disziplinen sind also m.E. durchaus vergleichbar. Letztendlich bedeutet dies jedoch auch, dass man bei vielen Abhängigkeiten auch viel “verkehrt” machen kann wenn man Zusammenhänge nicht berücksichtigt. Dies, zusammen mit einer absoluten Schnelllebigkeit in der technologischen Weiterentwicklung, macht E-Commerce und die dort tätigem Personen zu dem was sie im realen Leben sind: Hochleistungssportler im modernen Zehnkampf.

Wie seht ihr die Sache? Ich freue mich auf spannende Diskussionen.

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10 Kommentare vorhanden für “Moderner Zehnkampf – oder: über die Gemeinsamkeiten von SEO, SEM, Web Analytics und Usability”

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Kann nur zustimmen. Allerdings gibts für die modernen Zehnkämpfer nur selten Medallien. Warum? Weil man sie in den Unternehmen nicht richtig trainieren lässt. Dass man auch in Mitarbeiter “investieren” kann… diese Denke geht leider vielen Chefs noch immer ab.

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Bin leider noch nicht in den Genuss gekommen in einem solch großen Unternehmen mit mehreren Abteilungen arbeiten zu dürfen.

Allerdings finde ich gerade den Faktor Mensch sehr interessant. Leider vergessen viele auf Grund der “Optimierung für die Maschine” einfach den eigentlichen Kunden.

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Hallo Moritz Habermann,

ich denke Web Analytics und Usability ergänzt sich gut. Mir gefällt von Avinash Kaushik der “Key Insights Analysis”-Ansatz. Den Nutzer neben Web Analytics durch Lab-Test und Onlinebefragung besser zu verstehen. Auch das Buch von Frank Reese über Webseitenoptimierung. Geht ja nicht nur darum, die Seite benutzerfreundlicher zu machen, sondern ein klareres Bild über Diejenigen, die sich auf der Website bewegen. Im Buch “Complete Web Monitoring” sind rund 200 Seiten über die Verschmelzung von Web Analytics, Usabiliy und Customer Experience. Hab noch nicht gelesen worum es geht… sind für mich aber Zeichen, dass man mit dem Zusammenspiel aller Disziplienen viel gewinnen kann.

Gute Schnittpunkte sehe ich, dass man durch Lab-Test Empfehlungen für A/B-Tests gibt. Man aus dem Web-Analytics-System Trichter-Analysen von Bestellprozessen macht und Abbruchstellen identifiziert. Im Lab das dann genauer ansieht, optimiert und wieder durch Web Analytics die Wirkung der Optimierung im Livebetrieb mit alten Zahlen vergleichen kann. Weiß nicht, inwieweit man mit A/B – Tests auch komplexere Bestellvorgänge optimiert… da fehlt mir die Erfahrung, kann mir das nicht so vorstellen, bei A/B-Test einer Landingpage oder Startseite schon.

Eine andere Verschmelzung sehe ich auch zwischen Browseroverlay aus dem Web Analytics und einem Expertengutachten. Mit dem Browseroverlay surft man in den Schuhen der Nutzer. Der Usability-Experte hat durch Web-Analytics eine große Hilfe bei der Bewertung der Website, weil er ja mit dem Browseroverlay genau sehen kann, wie sich die Nutzer bewegen. Das Ganze ergänzt durch Heatmaps…

Also ich hoffe eher auch eine Teamarbeit als einen Zehnkampf.

Grüße

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@Mario Casarano Ich glaube es war anders gemeint, denn einem Zehnkampf gewinnt man doch auch nur wenn man als Gesamtleistung im Team überzeugt! :)

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Hallo Moritz,
spannender Artikel, gute Ideen – auch wenn ich kein Zehnkämpfer bin.
Mit der URL-Struktur anzufangen halte ich persönlich für übertrieben, es gibt Seiten mit parametrischen URLs die einen Sistrix Sichtbarkeitsindex von +500 haben.
Klar ist: Sprechende URLs oberflächlich betrachtet sind leichter zu analysieren. Dennoch bieten alle Analyse-Tools Möglichkeiten, den URLs-Namen, Tags, whatever zuzuweisen. Somit ist mit einem erhöhten (genau wie du schreibst) Mehraufwand in der Implementierung zu rechnen. Danach ist die Analyse allerdings ebenso simplel. Daher würde ich den Schwerpunkt eher auf das wirkliche “Visits erhöhen” und “Conversion optimieren” legen. Was meinst du?
BG
NN

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@alle: erstmal Danke für das Feedback zu dem Artikel. :-)

@Mario: Danke für die tollen Ergänzungen der Buchempfehlungen. Zu genau dem Thema – dem richtigen Methodenmix zur CVR-Optimierung – halte ich auf der diesjährigen SMX 2010 in München einen Vortrag. Für Fragen und Diskussionen ist danach auch noch Platz. Und nochwas: sicherlich war das so gemeint, dass Teamarbeit für einen sauberen Prozess, ein sauberes Zusammenspiel und den maximalen Erfolg notwendig ist ;-)

@Norman: das Problem m.E. bei der Übersetzung der der sprechenden URLs im Analysetool ist, dass es einfach nicht beständig ist. Wie oft wird was geändert an der URL-Struktur, so dass Filter oder PageNames nicht mehr passen? Wie oft fällt da was unter den Tisch?Das macht den Pflegeaufwand deutlich höher, denn hier kann auch viel verloren gehen. Im Allgemeinen war das vielleicht auch nicht unbedingt an Hardcore-User wie uns beide gedacht, die sich intensiv mit ihren Tools beschäftigen. Dass der Schwerpunkt zZ auf Visits erhöhen und CVR optimieren liegt, damit gebe ich Dir vollkommend recht. Ohne die Analyse des Traffics und die passenden Bedingungen ist das aber nicht möglich – wo wie wieder bei der Headline meines Artikels wären ;-)

Viele Grüße
Moritz

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Zwei Mario hier? Nee, das geht nicht. Komm ja völlig durcheinander. Moritz, mach was!
;-)

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@Mario F. Sowas geht ja gar nicht ;-) Ne ne ne :-)

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Schöner Artikel, dem ich inhaltlich nur zustimmen kann.

Idealerweise sollten die verschiedenen Themen durch eine Person überwacht oder koordiniert werden. Doch funktioniert dies in der Regel nur, wenn ein entsprechender, kompetenter Mitarbeiter (oder eine Mitarbeiterin) auf alle Themen und Maßnahmen einen Blick hat bzw. die verschiedenen Dienstleister koordiniert.

Sehr spannend finde ich hier den Ansatz Mario Fischer: Die Themen SEO, SEM und Usability basieren doch vor allem auf dem Prinzip Try-and-Error. Klar gibt es Regeln, Konzepte und Strategien, die man verfolgen soll und muss. Allerdings hat jede Zielgruppe, jeder Markt und jedes Produkt doch eigene Eigenschaften, die es zu berücksichtigen gilt. Jemand der online einen PC kauf ist sicherlich wesentlich internet-affiner als der Besucher auf der Webseite eines Reiseveranstalters für Seniorenreisen (sieh auch:
Online-Shop: Mit optimierten Produktseiten punkten
). Und daher macht es Sinn, Erfahrungen zu sammeln, Maßnahmen immer wieder zu hinterfragen oder eigene Rückschlüsse zu ziehen…

[...] dem BlogZwoNull kommt der Autor zu dem Fazit, dass viele Abhängigkeiten zwischen Web Usability, SEM und SEO [...]

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