Das Jahr 2008 neigt sich dem Ende zu. Und wie jedes Jahr hat sich wieder mal viel im E-Commerce getan. Sowohl auf Unternehmensseite (das Thema Social Commerce ist geradezu hochgekocht, mehr und mehr Start-Ups und auch renommierte Online-Shops springen auf den fahrenden Zug auf) als auch auf Toolseite (SEO / SEM, Web Analytics etc) wurde nochmals ordentlich aufgestockt – ein Ende ist auch noch nicht in Sicht. Somit möchte ich einen (nicht vollständigen) Ausblick wagen, was uns 2009 alles so erwarten könnte.
Prognosen für Online-Shops:
- Vom Bedarfsdecker zum Bedarfswecker: Der Amazon Windowshop macht es allen vor: Online-Shops werden sich von Bedarfdeckern zum Bedarfswecker hin entwickeln. Bei der heutigen Fülle an Shop-Anbietern reicht es nicht mehr aus, das Shopangebot rein an den aktuellen Bedarf der Nutzer auszurichten. Vielmehr muss ebenso durch neuartige Konzepte, visualisierte Shoppingerlebnisse und echte Mehrwerte dem Nutzer das Gefühl vermittelt werden, dass der Shop die Bedürfnisse der Nutzer über den aktuellen Bedarf hinaus erkennnt, um so individualisierte Angebote zu platzieren.
- Neue Shopping-Konzepte: Wie bereits aus der Diskussion zum Next-Level Ecommerce vor wenigen Wochen auf dem Barcamp in Hamburg zu erkennen war, werden Online-Shops versuchen, ihre Angebote über den Tellerand hinaus (ausserhalb der Shopping-Plattform) zu platzieren. Ein erster Ansatz hierzu war es, über Widgets den kompletten Kaufprozess auszulagern: Nutzer sehen eine Werbefläche und können direkt dort den Kauf des beworbenen Artikels abschließen, ohne je die Shopseite besucht zu haben. Hieraus ergeben sich natürlich völlig neue technische Herausforderungen. Weiterhin muss untersucht werden ob diese Art der Verkaufsgestaltung transparent genug ist, damit es von den Nutzern akzeptierzt wird (“Kann ich dem Angebot trauen? Ist das Spam? Sind meine Daten sicher?”)
- Kommunikation mit dem Kunden: Zwar ist Individualisierung und Personalisierung schon in aller Munde, dennoch kann das Thema noch deutlich ausgereift werden. Inidviduell zugesteuerte Werbeflächen und personalisierte Shopinhalte erhalten noch deutlich mehr Aufmerksamkeit als in den vergangenen Jahren. Der Markt an Anbietern sondiert sich gerade, die Global Players sind nun erkennbar und steuern in die Shoppinglandschaft. Unter Kommunikation mit dem Kunden fällt ebenso die direkte Einbeziehung der Kunden, sowie Kundenkommunikation untereinander, in den Entscheidungs-/ Kaufprozess. Social Commerce ist hier das Stichwort!
Prognosen für Maßnahmen / Tools:
- SEO/SEM: Suchmaschinenoptimierung und Suchmaschinenmarketing ist eigentlich schon ein “alter” Hut für Online-Shop-Betreiber. In den vergangenen Jahren wurde das Thema von allen Seiten an die Unternehmen herangetragen. Inzwischen ist dort ein gewisser Sättigungseffekt zu erkennen. Zwar gibt es immer noch genügend Unternehmen, die kein SEO / SEM betreiben (oder nicht optimal), aber so langsam ist der Zenit erreicht. Selbstverständlich ist immer noch von den Verantwortlichen in den Unternehmen bzgl. der Pflege und Weiterentwicklung von SEO / SEM Maßnahmen viel zu tun (oder man muss sich auf neue Marktgegebenheiten seitens der Suchmaschinenanbietern umstellen), die Schwerpunkte der Optimierungsarbeit werden sich m.E. aber auf andere Bereiche verlagern.
- Web-Usability: Das Thema Usability-Optimierungen gewinnt in 2009 nochmals deutlich an Fahrt. Bauchentscheidungen aus Expertensicht und “Das-haben-wir-doch-schon-immer-so-gemacht”-Argumentationen werden weiterhin nicht mehr tragbar sein. Vielmehr ist es die Hauptaufgabe von Shopbetreibern, die User (Wie war das nochmal? “Der Kunde ist König”) in die frühen Entwicklungsphasen von Online-Anwendungen mit einzubeziehen. Nur so ist es gewährleistet, dass das böse Erwachen nicht erst dann kommt, wenn die Anwendung fertig programmiert ist und kurz vor Go-Live steht.
- Web Analytics: Wie bereits im Web Analytics Blog beschrieben wird auch für 2009 das Thema Web Analytics ein riesen Thema bleiben. Kein anderes Tool bietet Shopbetriebern einen solchen tiefgehenden Einblick in die Nutzungssituation der User mit dem Online-Shop. Weiterhin werden Fragestellungen wie “Wo brechen meine User ab?”, “Welche Marketing-Maßnahmen performen gut welche weniger gut?”, “Wie verhalten sich unterschiedliche Zielgruppen auf meiner Webseite?” etc die zentralen Fragestellungen von Analytics-Verantwortlichen sein. Die mittlerweile kostenlos verfügbaren Business-Tools wie Google Analytics liefern hierfür die perfekten Startvoraussetzungen.
- Website Optimierung: Website Optimierung wird der Trend für 2009 ! Von einfachen A/B Tests bis hin zu multivariaten Tests – in vielen Unternehmen wird diese Art der Werbemitteloptimerung Einzug erhalten. Vorbei sind die Zeiten, in welchen man sich in ewigen Diskussionen mit Marketing-Verantwortlichkeiten darum gestritten hat, welche Landing Page oder welche grafische Ausgestaltung der Webseite nun umgesetzt werden soll. Es wird einfach getestet und nach kurzer Zeit hat man einen Sieger, der umgesetzt wird (Was ist A/B-Testing / Multivariates Testen? Siehe meine Präsi auf dem diesjährigen Barcamp in HH zum Thema Conversion Steigerung, Multivariates Testen).
Je länger ich über das Thema nachdenke, desto mehr Themen fallen mir ein. Die oben genannten Themen sind natürlich nicht vollständig und lassen sich beliebig erweitern. Manche hören sich zwar nach “Das-gibts-doch-schon-lange” an, jedoch sind sie noch nicht ausgereift genug.
Einem Thema möchte ich aber noch separate Aufmerksamkeit schenken: Barcamps. Nach meinem ersten Besuch eines Barcamps im November 2008 bin ich der Meinung, dass Barcamps die optimalen Diskussionsplattformen rund um Themen wie E-Commerce werden. Kongresse, auf denen sich hauptsächlich Entscheider und Anbieter tummeln, bieten keinen echten Mehrwert mehr. Fruchtbare Diskussionen entstehen vielmehr auf Barcamp-ähnlichen Events – die Organisation liegt in den Händen der Teilnehmer, womit gewährleistet wird dass wirklich nur relavante Theman zur Geltung kommen! Das UX-Camp in Berlin sowie die Republica (ebenso in Berlin) werden meine ersten Anlaufstellen in 2009 sein.
Was denkt ihr über 2009? Was wird im E-Commerce passieren? Welche Trends sind erkennbar? Was erhofft ihr Euch? Superspannend wäre natürlich eine (blogübergreifende) Diskussion.









6 Kommentare vorhanden für “E-Commerce Prognosen für 2009”
schön dass ihr endlich den ganzen feed ausliefert
großes lob!
ich sag für 2009 einfach nur “mobile” in allen bereichen
Also ich sag nur:
340 Projekte *gg*
Meine Prognose für 2009 ist: ‘n Haufn Arbeit
@Sascha: Viel Spaß bei deinen 340 Projekten…
Suchmaschinenoptimierung wird für Shops in diesem Jahr zur absoluten Pflicht. Damit einher geht in meinen Augen natürlich auch das Thema Web-Analytics. Usability ist sicherlich auch eines DER Themen – sollte es eigentlich in der Vergangenheit auch schon längst sein. Die Erfahrung zeigt aber, dass da noch enormes Potential besteht.
Insofern wird es für die meisten Shopbetreiber 2009 sicherlich nicht langweilig….
Thorsten Boersma hat inzwischen ein schönes Sammelsurium von E-Commerce Prognosen in seinem Blog gesammelt. Sehr lesenswert: E-Commerce Prognosen 2009
Hallo und guten Tag,
ich denke, dass man 2009 einen weiteren Ausbau des “E-Commerce” erwarten kann. Statistiker, Manager, wissenschaftliche Institute und weitere arbeiten ständig an neuen, weiterwntwickelten Konzepten, um die Marktstrukturen zu verbessern. Jährlich geben “Alt-Belannte” Professoren, Manager u.a., überarbeitete Auflagen von wissenschaftlichen Dokumenten aus, in denen die neuesten Erkenntnisse ausgearbeitet wurden.
Ich gehe von steigenden Prognosen aus und verbleibe mit freundlichem Gruß!
[...] durch den Einsatz solcher Tools in 2009 immer populärer werden, habe ich bereits hier vorhergesagt (auch wenn man dafür nicht wirklich Prophet sein [...]